Die dritte Sitzung des Seminars befasste sich mit dem Thema des Datenschutzes. In Referaten wurden die Grundlagen des Datenschutzes und der Datenethik, sowie der Umgang mit Daten in „smarten Städten“ beleuchtet. Vor diesem Hintergrund wurde die praktische Übung der vorhergehenden Sitzung diskutiert.

Was ist eigentlich Datenschutz?

Auf Grundlage von Michael Häders Text: „Der Datenschutz in den Sozialwissenschaften. Anmerkungen zur Praxis sozialwissenschaftlicher Erhebungen und Datenverarbeitung in Deutschland“ erläuterte die Referierende die aktuelle Gesetzeslage und den datenschutzrechtlichen Umgang in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Aktuell schwimme die Gesellschaft in einer Datenflut. Diese umfasse ein sich ständig erweiterndes Archiv selbstbezogener Daten und gleichzeitig eine Vielzahl an Datenquellen. Nutzer*innen gingen sorglos mit ihren Daten im Netz und in anderen Medien um, stünden Datenerhebungen der Forschung allerdings misstrauisch gegenüber. Datenschutz betreffe dabei den Umgang mit personenbezogenen Daten und den Schutz der betroffenen Personen. Datenschutzrechtlich werde zwischen einer bestimmten natürlichen Person, die eindeutig zu erkennen sei, und einer bestimmbaren natürlichen Person, die unter Zuhilfenahme weiterer Informationen erkennbar sei, unterschieden. Die Anonymisierung von Daten berge Gefahren in sich. Neben einer absoluten Anonymisierung, sei bei einer faktischen Anonymisierung und Pseudo-Anonymisierung die Zuordnung wieder möglich. Besonders sensible Daten umfassten den Gesundheitszustand, ethnische Zugehörigkeit oder die sexuelle Orientierung. Aus diesen Ausführungen sei das Datensparsamkeitsgebot zu folgern. Demnach müssen alle Erhebungen an eine Forschungsfrage geknüpft sein, vorhandene Forschungsergebnisse genutzt und keine Daten auf Vorrat gespeichert werden.

Aktuelle Nachrichten zum Thema Datenschutz

In Forschungsprojekten sei vor allem die informationelle Selbstbestimmung von Bedeutung. Da jeder Mensch gesetzlich die Hoheit über die Nutzung der eigenen personenbezogenen Daten habe, müsse das Einverständnis der Teilnehmenden eingeholt werden, sowie geprüft werden, welche Fragen für die Forschung wirklich von Belang seien. Falls personenbezogene Daten nicht ausreichend geschützt würden, könne dies zu negativen Folgen für Betroffene und zu einem steigenden Misstrauen gegenüber Forschungsprojekten führen. Die Forschung müsse gemeinsame Qualitätsstandards festlegen.

Häder, M. (2009) ‘Der Datenschutz in den Sozialwissenschaften. Anmerkungen zur Praxis sozialwissenschaftlicher Erhebungen und Datenverarbeitung in Deutschland’. Berlin: RatSWD

Ethik und georeferenzierte Daten

Studierende gaben eine Zusammenfassung der ‘Challenges of the Geoweb: Data Accuracy, Privacy and Surveillance’ von David Abernathy.

Georeferenzierungen würden demnach weitreichend vorgenommen werden. Die technischen Möglichkeiten seien vielfältig. Neben der Nutzung des Mobilfunknetzes, führe GPS zu einer Zunahme von Standortdaten. Auch über die IP-Adresse, Cookies, Kreditkarten-Daten und Videoüberwachung ließe sich ein Standort ermitteln. Trotzdem gäbe es keine Standards für die Verantwortung gegenüber erhobenen Daten und den Umgang mit diesen. Nach dem Grundsatz ‘good judgement comes from experience and all experience comes from bad judgement’ seien datenschutzrechtliche Festlegungen ein längerer Prozess aus Nutzung, Anpassung und abschließender Integration. Unsere Nutzung von Kommunikations-Technologie führe dabei immer wieder zu Daten-Disastern, wie der Verlangsamung von Diensten. Dazu käme ein Wegfall der Anonymisierung von Daten. Die Nutzungen von Diensten ergäben ein individuelles Muster, sodass eine Anonymisierung nicht mehr möglich sei. Die flächendeckenden Nutzung moderner Technologien würde dadurch zu einer Angelegenheit des grundlegenden Menschenrechts werden. Die Spannung zwischen Schutz der Bevölkerung und Zunahme an Datenerhebungen trete dabei deutlich hervor. Diese Erhebungen führten nicht nur Staaten aus, sondern auch Unternehmen, wie Google, die damit Suchergebnisse personalisierten. Das Blockieren dieser Dienste ist zwar in Teilen möglich, schränke die Nutzung allerdings mitunter ein.

Abernathy, D. (2017) ‘Challenges of the Geoweb: Data Accuracy, Privacy and Surveillance’, in Using Geodata & Geolocation in the Social Sciences. Mapping our connected world. London: Sage, 53–64

Ethik und Smart Cities

Einblicke in die Ethik von Smart Cities wurden auf Grundlage eines Texts von Rob Kitchin gegeben.

Neue Datenflut der Smart City

Laut Kitchin produzieren Smart Cities eine neue Datenflut. Prozesse einer Stadt würden in Zahlen und Daten erfasst und könnten so eine neue Form von Betrachtung, Analyse und Umgang erfahren. Dadurch stelle sich für Städte die grundsätzlichen Fragen, wie ein Umgang mit entstehenden, großen Datenmengen aussehen kann und wie die erhobenen Daten in eine neue Stadttheorie einfließen kann. Die Methoden einer Smart City würden durch Vertreter*innen der Sozialwissenschaften kritisiert. Sie sähen darin eine Vereinfachung der Prozesse, die keine Lösung für bösartige Probleme böte. Bei Datenerhebungen könne an verschiedenen Stellen, eine Einschränkung der Privatsphäre auftreten. Auf Basis einer Datendokumentation würden Schlussfolgerungen zukünftigen Handelns gezogen, eine Re-Identifikation von Personen wäre möglich, Hinweise wären mitunter schwierig zu erfassen und durch die Einbidung verschiedener Unternehmen, reduziere sich die Kontrolle über die Erhebungen.

Durch diese Ausführungen ließe sich schlussfolgern, dass eine Smart City den Bewohner*innen nicht schaden, sondern helfen sollte. Dafür müssten die Prozesse einer Stadt neu aufgestellt werden und die ethischen Dimensionen bei der Einbindung neuer Technologien intensiver beleuchtet werden.

Kitchin, R. (2016) ‘The ethics of smart cities and urban science’, Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences.

Die Referate zeigen die Herausforderungen, die mit der Nutzung von neuen Technologien in der Raumforschung einhergehen. Dies fordert eine Sensibilisierung für die Risiken der Nutzerinnen. Die Teilnehmerinnen des Seminars betonen, dass Forschungsprojekte offen mit dem Umgang der erhobenen Daten umgehen müssen. Die Hoheit der Privatperson über ihre eigenen Daten sollte immer bewahrt werden. Alle Arten von erhobenen Daten sollten offengelegt werden. Obwohl eine Belehrung der Proband*innen als wichtig erachtet wird, ist den Studierenden auch eine einfache, kurzgefasste Sprache wichtig.

Kategorien: Phase 1: Seminar

Schreibe einen Kommentar