Zu Beginn des Semesters stand die Auseinandersetzung mit bestehenden Applikationen zur mobilen Erhebung räumlicher Daten. Im Rahmen der zweiten Sitzung wurden die Applikationen GeoODK Collect, EpiCollect und SW Maps getestet. Dabei untersuchten die Studierenden, wie sich der Aufbau der Apps unterscheidet, was in der Anwendung gut funktioniert und welche Probleme auftreten.

Die Kartierung des Universitätsplatzes im Umbruch

Die Studierenden testeten drei Apps, die kostenfrei angeboten werden. Die Apps unterscheiden sich im Aufbau und in der Handhabung. Im Feldversuch untersuchten die Studierenden den Universitätsplatz auf dem Campus der Universität Kassel. Mithilfe der Apps sollten Graffiti in einem abgesteckten Teilbereich des neuen Campusgeländes kartiert werden. Diese Graffiti sollten von den Studierenden fotografiert und so, wenn möglich, mit einer Georeferenz versehen werden. Einige Apps boten außerdem die Möglichkeit, den genauen Ort des Graffitis mittels Polygonen zu bestimmen. Darüber hinaus sollten Angaben vom Stil des jeweiligen Graffitis und den Untergrundmaterialien gemacht werden. Eine persönliche Bewertung und eine Einschätzung zur Fortbestehung des Graffitis im Kontext des Umbaus des Universitätsplatzes konnte ebenfalls vorgenommen werden.

Studierende fotografieren mithilfe einer App Graffiti

Drei Applikationen im ersten Test

GeoODK Collect

GeoODK Collect kann über den Google Play Store kostenfrei auf dem Smartphone oder Tablet installiert werden

Die Applikation basiert auf der Durchführung von Umfragen. Dabei soll es auch in einer Umgebung funktionieren, in der die Telefonverbindung oder die Stromversorgung schwierig ist (vgl.: Github des Projekts). Die Umfrage muss vor dem Beginn der Erhebung konzipiert werden. Dabei werden verschiedene Möglichkeiten der Strukturierung gegeben. Ein georeferenziertes Foto kann zusätzlich gespeichert werden.

Im Feld funktionierte die Erhebung von Daten gut. Die Studierenden wiesen jedoch darauf hin, dass diese Beurteilung nur auf Grundlage der durchgeführten Erhebung erfolgen könnte und weitere Feldversuche nicht in dieser Beurteilung berücksichtigt werden konnten. Die erhobenen Daten können von unterschiedlichen Endgeräten zentral auf einer Plattform gesammelt werden. Dort können sie als eine gemeinsame CVS-Datei exportiert werden. Dadurch können sie auch mit GIS visualisiert werden.

Graffiti am Universitätsplatz, Kassel

EpiCollect

EpiCollect kann über den Google Play Store kostenfrei auf dem Smartphone oder Tablet installiert werden

Die Applikation EpiCollect wurde ursprünglich für biologische Erhebungen entwickelt. Das Interface basiert daher auch auf Umfragen, wobei eine beliebige Anzahl an Fragen hinzugefügt werden können. In diesem Rahmen kann ein georeferenziertes Foto hinterlegt werden. Die App funktioniert auch ohne bestehende Telefonverbindung. Die erhobenen Daten werden lokal auf dem Endgerät gespeichert und können dann auf einen gemeinsamen Server hochgeladen werden. Die Daten können schließlich als eine gemeinsame CVS-Datei exportiert und so mit GIS weiter bearbeitet werden können.

Weitere Informationen auf der Website der Applikation.

Die Studierenden konnten die Applikation gut im Feld nutzen. Kritisiert wurde das Fehlen der Möglichkeit, die Umfrage während der Erhebung ändern zu können. Die Zusammenführung der Daten und die anschließende Darstellung erfolgte ohne Probleme. Der standardmäßige Upload der Daten auf einen Google-Server wurde allerdings kritisiert.

SW Maps

SW Maps kann über den Google Play Store kostenfrei auf dem Smartphone oder Tablet installiert werden

Die Applikation SW Maps arbeitet offline mit einer Kartengrundlage. BenutzerInnen haben die Möglichkeit mithilfe verschiedener Tools, Punkte, Linien und Flächen zu markieren oder ein Foto aufzunehmen. Dabei können Informationen durch das Erstellen von Layern oder eines Textfeldes hinterlegt werden. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Bewegung mithilfe eines GPS-Trackings aufzunehmen. Die erhobenen Daten können als Shapefiles oder KMS-Datei exportiert werden und so in einem GIS-Programm oder mit Google Earth dargestellt werden kann.

Die Studierenden konnten die Kartierung in dem vorgeschlagenen Umfang nicht durchführen. Sie kritisierten die Unhandlichkeit der Tools, die das Erstellen von Markierungen zeitaufwendig gestalte. Auch ein Hinweis, wenn erstellte Formen Fehler aufweisen, fehle. Potential sahen die Studierenden in der Markierung von Flächen. Mithilfe von Polygonen ließe sich sehr genau arbeiten. Die Weiterbearbeitung der Daten und die Darstellung in GIS funktionierte gut. Die Zusammenführung der Daten muss allerdings manuell erfolgen.

Studierende diskutieren über die Handhabung der App

Fazit

Die getesteten Applikationen bieten einen ersten Einblick in existierende Möglichkeiten zur mobilen Erhebung georeferenzierter Daten. Sie sind so eine gute Grundlage für die weitere Auseinandersetzung mit mobiler Datenerhebung und letztendlich der Formulierung eigener Ansprüche an eine Kartierungs-App und deren Entwicklung. Sie zeigen verschiedene Schwachstellen auf, stellen allerdings auch bereits viele hilfreiche Komponenten zur Verfügung. Auch die Thematik des Datenschutzes, welches bereits in der ersten Sitzung angesprochen wurde, wurde anhand der getesteten Applikationen diskutiert. Zum Teil wurden beispielsweise Daten über die NutzerInnen aufgenommen, die nicht unterbunden werden konnten.

Bilder: Daniel Münderlein, UTransForM

Kategorien: Phase 1: Seminar

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